In der Fremont Street schlug viele Jahre lang das Herz der Spielermetropole Las Vegas, ehe ihr vom Strip mit seinen riesigen Hotels und Resorts der Rang abgelaufen wurde. Ihre Neonreklamen waren in unzähligen Fernsehsendungen und Filmen zu sehen. Nach Jahren des Wandels hat sich die einstige Hauptstraße von Las Vegas als Fremont Street Experience touristisch neu erfunden und ist unbedingt einen Besuch wert, es gibt abwechslungsreiche geführte Touren in Downtown.

Mehr Infos über Aktivitäten und Sehenswürdigkeiten findet ihr in unserem Insider-Guide über Downtown Las Vegas.

Die Geschichte der Fremont Street in Las Vegas

Die Geschichte der Fremont Street ist eng mit der Stadtgeschichte verknüpft: Am 15. Mai 1905 wurde ein großes Gebiet unter dem Namen „Clark’s Las Vegas Townsite“ versteigert, um an diesem Ort einen neuen Bahnhof für die San Pedro, Los Angeles & Salt Lake City Railroad anzulegen. Zu diesem Zeitpunkt gab es dort etwa 150 Gebäude und eine einzige nennenswerte Straße: die Fremont Street, benannt nach General John Charles Fremont, der während einer Expedition im Jahr 1844 in der Nähe campiert hatte. Hier gingen Grundstücke zu besonders hohen Preisen über den Tisch – die Stadtgründer wollten aus ihr das Geschäftszentrum der neuen Stadt machen. Es kam jedoch anders: Die Eisenbahngesellschaft verbot den Verkauf von Alkohol außerhalb eines kleinen Bereiches am Nordende der Stadt. Die findigen Einwohner entdeckten jedoch ein Hintertürchen: Sobald ein Gastronomiebetrieb auch mindestens ein Hotelzimmer vermietete, durfte er Alkohol ausschenken. Die Folge: Entlang der Fremont Street entstanden zahlreiche kleine Hotels statt der erhofften kommerziellen Betriebe.

Als 1931 das Glücksspiel legalisiert wurde, war die Fremont Street der naheliegende Ort für die ersten Casinos von Las Vegas. Diese trugen zunächst die Nostalgie des „Wilden Westens“ im Namen und nannten sich Northern Club, Las Vegas Club, The Apache, The Frontier Club und The Pioneer Club. 1946 eröffnete das heute noch existierende Golden Nugget, das zu den meistfotografierten Gebäuden von Las Vegas gehört. Die Fremont Street war zu diesem Zeitpunkt noch eine typische Hauptstraße in einem stark bevölkerten Stadtzentrum, die täglich von Einheimischen aufgesucht wurde. Erst mit dem Bau der Highways begann der Niedergang.

Wenn ihr die Geschichte von Las Vegas hautnah vor Ort erfahren wollt, empfehle ich euch den Historischen Rundgang in Downtown. Der ortskundige Guide erzählt euch Geschichten und Geheimnisse, während ihr zusammen über die Fremont Street lauft.

Historischer Rundgang durch Downtown

Tod und Wiederauferstehung der Fremont Street

Mit der Eröffnung des neuen Interstate-Highways 15 in den 60er-Jahren verschoben sich in Las Vegas die Verhältnisse: Autofahrer konnten das Stadtzentrum nun ganz vermeiden, während sich der vom Durchgangsverkehr befreite Las Vegas Boulevard zur neuen Casino- und Hotelmeile der Stadt, dem „Strip“, entwickelte. Die Einwohner zog es aus der Innenstadt in neue grüne Vorstädte. Die Fremont Street, über Jahrzehnte als „Glitter Gulch“ (Glitzerschlucht) gefeiert, begann zu verfallen. Zu den kurioseren Vorschlägen zur Rettung und Wiederbelebung von Downtown Las Vegas gehörten ein „Las Venice“ mit Kanälen und Gondeln und ein „Little Amsterdam“ mit legalisierter Prostitution.

Stattdessen wurde die Fremont Street Experience beschlossen und damit ein 70 Mio. Dollar teures Dach über drei Blocks der Fremont Street von der Main Street bis zur 4th Street. Das Dach beherbergt 12,5 Millionen individuelle Lichter, die jeden Abend gepaart mit einer 550.000 Watt-Soundanlage ein einzigartiges Showspektakel produzieren. Dazu wurde die Straße mit neuen Einkaufs- und Unterhaltungsmöglichkeiten aufgefrischt.

fremont street

Ein Bummel durch die Fremont Street heute

Ihr könnt die Fremont Street vom Strip aus ganz einfach mit den öffentlichen Bussen (The Deuce) erreichen. Die Haltestelle ist nur wenige Gehminuten entfernt. Plant ihr, die Fremont Street zu besichtigen, so ist es vielleicht sinnvoll, den Besuch auf die späteren Stunden zu verschieben: Erst mit Einbruch der Dunkelheit erwachen die noch immer zahlreichen Neonfassaden entlang der Straße zum Leben. Die „Viva Vision Light Show“ wird täglich zur vollen Stunde von 18:00 bis 1:00 Uhr nachts an die Decke der Fremont Street projiziert und dauert etwa sechs Minuten.

Einigen der bekanntesten Gebäuden entlang der Straße solltet ihr etwas mehr Aufmerksamkeit schenken. Da ist zum Beispiel das berühmte Golden Nugget Hotel von Las Vegas, das 1946 als erstes Gebäude der Stadt von vornherein als Casino konzipiert wurde. Seit 2005 rühmt sich das Hotel mit einem selbst für Las Vegas einzigartigen Pool, in dem Gäste (gut gesichert) mit Haien schwimmen und eine lange Wasserrutsche hinabsausen können. Der Pool ist auch für Nicht-Hotelgäste (gegen Gebühr) zugänglich.

Eine weitere Legende ist der heute „Binion’s Gambling Hall“ genannte Komplex auf der anderen Seite der Fremont Street: Gleichzeitig mit dem Golden Nugget entstand hier 1946 der Eldorado Club, der 1951 von Benny Binion gekauft und in „The Horseshoe“ umbenannt wurde. Nach ihm führte sein Sohn Jack die Geschäfte und rief 1970 die World Series of Poker, also die erste Poker-WM, ins Leben. Nachdem die Binion-Familie 2004 die Lizenz zum Glücksspiel verlor, wurde der gesamte Komplex an Harrah‘s Entertainment verkauft. Das Hotel wurde geschlossen, doch das Casino und das Restaurant zehren auch heute noch vom Nostalgiefaktor.

Vergesst nicht, „Vegas Vic“ zu grüßen, das zweite Wahrzeichen der Stadt neben dem „Welcome to Fabulous Las Vegas“-Straßenschild. Der 23 Meter große winkende Neon-Cowboy war ursprünglich Teil der Fassade des Pioneer Club und musste seitdem Federn lassen: Bis 1966 hatte er noch alle 15 Minuten mit „Howdy Partner“ gegrüßt, ehe ihm die (angeblich zu laute) Stimme abgedreht wurde. Als die Fremont Street ihr Dach erhielt, wurde ihm zudem der Hut gekürzt. Bis 2017 saß ihm mit „Vegas Vickie“ ein Neon-Cowgirl gegenüber, das jedoch für einen Casino-Neubau entfernt wurde. Ob und wo Vegas Vickie eine neue Heimat finden wird, ist derzeit noch unbekannt.

Ein Tipp: Die besten Insidergeschichten rund um den Glitter Gulch und seine Anwohner hört ihr bei einer Pop Culture Walking Tour durch Downtown Las Vegas!

Aktivitäten auf der Fremont Street

Natürlich könnt ihr auch einfach nur die Viva Vision Light Show der Fremont Street Experience bewundern, etwas essen und euer Glück in einem Casino versuchen. Es gibt jedoch noch eine ganze Menge mehr zu tun. Der größte Hit in Downtown Las Vegas ist die 2014 eröffnete Slotzilla Zipline: Hier werden Mutige aus einem nachgebauten Spielautomaten „geschossen“ und fliegen an der Zipline in rund 23 Metern Höhe über die Fremont Street (direkt unter dem Dach). Noch höher hinaus geht es mit der Zoomline: Diese verläuft in 34 Metern Höhe entlang der gesamten Fremont Street und über das Dach hinweg. Dabei sitzen Gäste nicht wie sonst üblich, sondern „fliegen“ wie Superman mit dem Gesicht nach unten. Der Spaß kostet $25 für die Zipline und $45 für die Zoomline.

Etwas gemächlicher erkundet ihr die Fremont Street bei einer Segway Tour. Sobald ihr euch mit dem rollenden Gefährt vertraut gemacht habt, nimmt euch ein Einheimischer mit auf eine spannende Fahrt.

Nur zwei Blocks von der Fremont Street entfernt öffnete im Jahr 2012 das Mob Museum an der Stewart Avenue, das mit vollem Namen „National Museum of Organized Crime & Law Enforcement“ heißt. Wo, wenn nicht in Las Vegas, könnte es sonst ein Museum geben, das den krummen Geschäften der Mafia früher und heute gewidmet ist? Besucher können in die Zeit der Prohibition mit ihren „Speakeasys“ eintauchen und sich in einem modernen Forensik-Labor umsehen. Wenn ihr möchtet, könnt ihr auch selbst an einem Trainingskurs für zukünftige Polizisten teilnehmen.

Tickets für das Mob Museum buchen

Mein Tipp: Der Eintritt ins Mob Museum ist in fast allen Pässen (außer dem Las Vegas Pass) enthalten. Auf unserer Passvergleichs-Seite findet ihr alle relevanten Infos , wie ihr beim Eintritt zu Museen und Attraktionen in Las Vegas sparen könnt!

Die Neonopolis Shopping Mall kann shopping-technisch zwar nicht mit dem Strip mithalten, bietet jedoch einige schräge Erlebnisse. Wenn ihr schon immer mal euren inneren Wikinger rauslassen wolltet, könnt ihr euch bei Axehole USA im Axtwerfen üben. Millennial Esports gibt euch die Möglichkeit, bei zahlreichen Videospielen gegen andere anzutreten und der „Anti-Club“ The Nerd mit Billardtischen und Bowlingbahnen ist ein Traum für alle RPG- und Cosplay-Fans.

Wo Las Vegas weiterlebt: Das Museum of Neon

Über viele Jahre hinweg wurden abmontierte Neon-Leuchtreklamen einfach auf einem „Boneyard“ (Friedhof) genannten Gelände abgelegt und dort den Elementen überlassen. Dies brachte Liebhaber dazu, 1996 das Neon Museum zu gründen, dass diese alten Schätze seitdem restauriert und pflegt. Manche wurden bereits wieder entlang der Fremont Street Experience oder auf dem Museumsgelände installiert. Zu den bekanntesten Neon-Reklamen gehören Pferd und Cowboy vom Hacienda Resort und die Schilder großer Hotellegenden wie des Stardust und des Desert Inn. Das Neon-Boneyard-Gelände kann im Rahmen geführter Touren besichtigt werden. Touren finden tagsüber und abends statt. Bei den abendlichen Touren könnt ihr einige der restaurierten Neon-Reklamen wieder in ihrer vollen Schönheit leuchten sehen.

Ein Tipp: Theoretisch könnt ihr das Neon Museum von der Fremont Street zu Fuß erreichen, wenn ihr hinter dem Neonopolis links auf den North Las Vegas Boulevard abbiegt. Es ist jedoch kein unbeschwerlicher Spaziergang (schon gar nicht an heißen Tagen), da ihr dabei auch die Auf- und Abfahrt zum Las Vegas Expressway überwinden müsst. Nehmt lieber den Mietwagen, den öffentlichen Bus oder ein Taxi.

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